Archive for the ‘Thema des Monats’ Category

„Was Machtkämpfe dem Unternehmen kosten, taucht in keiner Bilanz auf.“

Freitag, Juni 28th, 2013

„Es ist die Aufgabe der Betriebswirtschaft, sich mit berechenbaren Fakten zu beschäftigen; und Unternehmen müssen selbstverständlich unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden. Diese Fakten erfassen aber nur die Oberfläche. Alles was unter der Oberfläche wirkt, ist nicht berechenbar, sagen Barbara Bosch und Andreas Behnsen. »Wie viele Verluste haben wir im Unternehmen durch ein Klima des Misstrauens gemacht?« Diese Frage würde in einem Geschäftsbericht oder in einer Bilanz als völlig unangemessen empfunden. »Die sogenannten ›soft facts‹ werden der Kategorie ›nice to have‹ zugeordnet«, so Bosch und Behnsen. Die beiden Wolfenbütteler haben sich mit diesem Thema in einem neuen Buch mit dem Titel Unternehmen menschenfähig gestalten – Systemisches Empowerment*« auseinandergesetzt.“

So die einführenden Worte des Artikels über unser Buch in der aktuellen Ausgabe der monatlichen Publikation „wirtschaft IHK BRAUNSCHWEIG“.

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Vertrauen im Verkehr

Dienstag, April 30th, 2013
Die Straßenverkehrsordnung, eine relativ einfache Beschreibung des geforderten Verhaltens auf öffentlichen Straßen. Der Straßenverkehr kann als komplexes System beschrieben werden, die möglichen Zustände sind quasi unendlich, somit ist eine Handlungsanweisung für das richtige Verhalten in allen Situationen nicht möglich und trotzdem ist ein hohes Maß an Sicherheit möglich. Wie funktioniert das?
Durch Vertrauen
Wir verlassen uns darauf, dass sich alle Teilnehmenden entsprechend den Regeln verhalten. Es gibt Übereinkünfte, die nicht in Frage gestellt werden.
Durch selbstwirksames Handel
Wenn ich mich nicht an die Regeln halte oder Fehler begehe, wird es schnell lebensgefährlich (für mich und andere) und es wird sofort wahrgenommen: kommentiert (Hupen, Gestikulieren) oder führt zu einem Unfall.
Durch Eigenverantwortlichkeit
Wer sich als mündiger Bürger in den Straßenverkehr begibt, entscheidet eigenständig im Rahmen der StVO. Sowie ob und wann er diesen Rahmen verlässt. Das Vertuschen eines Fehlers (Unfallflucht) gilt als schweres Vergehen.
Stellen wir uns einmal vor, Unternehmen wären organisiert wie der Straßenverkehr.  Wie viel Vertrauen, Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortlichkeit wäre erforderlich, damit es für alle gut läuft ?

Sind Führungskräfte die Ursache des Übels ?

Freitag, April 12th, 2013

Die aktuelle Gallup-Studie zur Arbeitszufriedenheit von Arbeitnehmern in Deutschland liegt vor.
Danach haben inzwischen 24% der Arbeitnehmer keine emotionale Bindung mehr zu ihrem Unternehmen (2001 waren es noch lediglich 15%).
Hauptursache für die innerliche Kündigung – so die Autoren – sei eine mangelhafte Personalführung durch den direkten Vorgesetzten. Viele Arbeitnehmer stiegen hoch motiviert in ein Unternehmen ein, würden aber demotiviert und resignierten schließlich.
Verständlich aus unserer Sicht ist, dass Mitarbeiter ihre Unzufriedenheit auf ihren nächsten Vorgesetzten projezieren und tatsächlich haben viele Führungskräfte Führung nicht oder kaum gelernt.
Aber wie sieht es mit deren Arbeitszufriedenheit aus? Daniel Gulati hat eine Gruppe von 30 Managern interviewt zur Frage welche Entscheidungen sie am meisten bereuen (Nachzulesen in Harvard Business manager vom Februar 2013). Auf Patz 1 steht „Ich wünschte; ich hätte mich nicht wegen des Gehaltes für meinen Job entschieden“ gefolgt von „Ich wünschte, ich hätte eher gekündigt“. Nach Arbeitszufriedenheit klingt das nicht. Und tatsächlich mehrt sich die Zahl der „Aussteiger“ im Management und derjenigen, die vom Ausstieg träumen.
Schon lange ist es höchste Zeit darüber nachzudenken, wie sich Unternehmen und Organisationen gestalten könnten, damit sich Mitarbeiter und Führungskräfte mit ihrem Unternehmen emotional identifizieren und dadurch ihre Fähigkeiten und Kompetenzen voll einbringen. Dazu müsste man nicht das Rad neu erfinden. Allerdings müsste die Bereitschaft vorhanden sein, sich von überholten Denkmustern zu verabschieden.

Die Not mit der Komplexität

Dienstag, Februar 26th, 2013

In Brockhaus´ kleinem Konversationslexikon aus den 1880er Jahren gibt es den Begriff Komplexität noch nicht. Es wird das Wort Komplex beschrieben mit Umfang, Inbegriff, Bereinigung.
Vor gut 100 Jahren hatte dieser Begriff, der heute in vielen Situationen verwendet wird, wohl noch nicht diese große Bedeutung. In unserem Buch schreiben wir dazu:„Ob unsere Welt komplexer ist als die unserer steinzeitlicher Vorfahren? Wie komplex wird eine Welt empfunden, die man sich von Dämonen und Geistern gesteuert erklärt? Wie viel komplexes Denken und Handeln erfordert der Bau einer Kathedrale im Mittelalter oder der Bau von Pyramiden einige Jahrtausende vorher? Haben ihre Baumeister über Komplexität nachgedacht oder einfach beobachtet, neugierig gelernt und auf was auch immer vertraut?
Vielleicht empfinden wir unsere Welt nur als komplexer, seitdem wir den Begriff Komplexität erfunden haben.“

Dass Führungskräfte – wie eine kleine Untersuchung auf ZeitOnline vom 11.12.12 belegt – ihren Alltag als zunehmend komplex erleben bedarf der Beachtung. Wie hilfreich dazu allerdings verschiedene Modelle von Komplexitätsmanagement sind, ist fraglich. Schließlich gilt: Jedes Modell das versucht Komplexität abzubilden müsste noch komplexer sein – am Ende landet man wohl bei der Quadratur der Kreises.
Es könnte einfacher gehen. Niclas Luhmann, dessen Theorie sozialer Systeme nach wie vor das Grundlagenwerk zu Komplexität ist (übrigens eine komplizierte und schwer verdaubare Lesekost) benennt als zentrale Komplexitätsreduktion das gute, alte, wertvolle Vertrauen. Unbewusst steuern wir uns Tag täglich mit Vertrauen durch eine komplexe und komplizierte Welt und wissen um die hohe Bedeutung dieses Wertes in menschlichen Beziehungen.

Und wie sieht es damit in Unternehmen aus? Zumindest ist es ein Wert, mit dem man sich kaum aktiv beschäftigt obwohl es so großen Nutzen haben könnte: Es beschleunigt Abläufe, macht die Organisation flexibler, fördert den Wissenstransfer, bindet Mitarbeiter und schafft automatisch Motivation.
Man braucht dazu auch kein weiteres Managementinstrument. Dafür aber eine entsprechende innere Haltung, eine Kultur des Vertrauens und Strukturen, die diese Kultur befördern. Das alles wäre doch machbar oder?

Selbstwirksamkeit – menschenfähige Unternehmen

Dienstag, Januar 15th, 2013

Menschenfähige Unternehmen würden sich dadurch auszeichnen, dass sie ihre Organisationsstruktur, ihre Prozesse und Kommunikationswege an menschlichen Grundbedürfnissen ausrichten. Und diese sind – wie wir schon lange wissen – auch im Arbeitsleben eben mehr als lediglich gute Bezahlung, Urlaub und ein netter Chef.

Eines dieser Grundbedürfnisse ist Selbstwirksamkeit verbunden mit Selbstkontrolle. Beide nehmen in unserem Modell systEmpowerment eine zentrale Rolle ein.

Spontan könnte man sagen: Unternehmen sind nicht dafür da, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, sondern Gewinne zu erwirtschaften. Wer würde das wohl bezweifeln?

Allerdings zeigt sich zunehmend, dass Unternehmen mit ihren üblichen Organisationsstrukturen und Denkmodellen menschliche Grundbedürfnisse beschädigen und damit ihr eigentliches Ziel gefährden bzw. zumindest enorme Ressourcen verschwenden und verdeckte Kosten in Kauf nehmen müssen.

Warum also nicht umdenken?

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