Veröffentlicht am 26.Februar, 2013

Die Not mit der Komplexität


In Brockhaus´ kleinem Konversationslexikon aus den 1880er Jahren gibt es den Begriff Komplexität noch nicht. Es wird das Wort Komplex beschrieben mit Umfang, Inbegriff, Bereinigung.
Vor gut 100 Jahren hatte dieser Begriff, der heute in vielen Situationen verwendet wird, wohl noch nicht diese große Bedeutung. In unserem Buch schreiben wir dazu:„Ob unsere Welt komplexer ist als die unserer steinzeitlicher Vorfahren? Wie komplex wird eine Welt empfunden, die man sich von Dämonen und Geistern gesteuert erklärt? Wie viel komplexes Denken und Handeln erfordert der Bau einer Kathedrale im Mittelalter oder der Bau von Pyramiden einige Jahrtausende vorher? Haben ihre Baumeister über Komplexität nachgedacht oder einfach beobachtet, neugierig gelernt und auf was auch immer vertraut?
Vielleicht empfinden wir unsere Welt nur als komplexer, seitdem wir den Begriff Komplexität erfunden haben.“

Dass Führungskräfte – wie eine kleine Untersuchung auf ZeitOnline vom 11.12.12 belegt – ihren Alltag als zunehmend komplex erleben bedarf der Beachtung. Wie hilfreich dazu allerdings verschiedene Modelle von Komplexitätsmanagement sind, ist fraglich. Schließlich gilt: Jedes Modell das versucht Komplexität abzubilden müsste noch komplexer sein – am Ende landet man wohl bei der Quadratur der Kreises.
Es könnte einfacher gehen. Niclas Luhmann, dessen Theorie sozialer Systeme nach wie vor das Grundlagenwerk zu Komplexität ist (übrigens eine komplizierte und schwer verdaubare Lesekost) benennt als zentrale Komplexitätsreduktion das gute, alte, wertvolle Vertrauen. Unbewusst steuern wir uns Tag täglich mit Vertrauen durch eine komplexe und komplizierte Welt und wissen um die hohe Bedeutung dieses Wertes in menschlichen Beziehungen.

Und wie sieht es damit in Unternehmen aus? Zumindest ist es ein Wert, mit dem man sich kaum aktiv beschäftigt obwohl es so großen Nutzen haben könnte: Es beschleunigt Abläufe, macht die Organisation flexibler, fördert den Wissenstransfer, bindet Mitarbeiter und schafft automatisch Motivation.
Man braucht dazu auch kein weiteres Managementinstrument. Dafür aber eine entsprechende innere Haltung, eine Kultur des Vertrauens und Strukturen, die diese Kultur befördern. Das alles wäre doch machbar oder?